Cryptostroma corticale (Syn. Coniosporium corticale) ist die einzige bekannte Art der Schlauchpilzgattung Cryptostroma. Diese Gattung wurde lange Zeit der Familie Xylariaceae zugeordnet. Aufgrund der Verwandtschaft mit der Art Graphostroma platystoma ist jedoch auch eine Einordnung in die Familie der Graphostromataceae naheliegend. C. corticale ist der Erreger der sogenannten Rußrindenkrankheit, einer ernsten Pilzkrankheit, die vor allem Ahornbäume befällt.
Symptome und Krankheitsverlauf bei Bäumen
Erkrankte Ahornbäume zeigen typische Symptome wie:
Welkerscheinungen, vorzeitigen Blattverlust, Absterben der Krone, Nekrosen im Kambium (Wachstumsgewebe), länglich aufgerissene Rindenpartien, aus denen teilweise Schleim austritt.
Die Rußrindenkrankheit wird oft durch klimatische Bedingungen wie Trockenheit und Hitze begünstigt, da Bäume in Stresssituationen anfälliger sind. Der Infektionsprozess verläuft schleichend, und das Absterben eines Baumes kann sich über mehrere Jahre hinziehen.
Der Pilz dringt meist durch Verletzungen der Borke in den Baum ein. Zunächst besiedelt er das Kernholz, indem er sich durch das Xylem (Wasserleitungsgewebe) ausbreitet. Mit der Zeit wandert das Myzel auch in das Phloem (Nährstoffleitungsgewebe). Der Pilz kann lange latent im Baum verbleiben, insbesondere in Jahren mit kühleren Sommern, in denen sich das Pilzwachstum verlangsamt. In warmen, trockenen Perioden, in denen der Baum geschwächt ist, breitet sich das Myzel verstärkt in Richtung der Rinde aus, wo es schließlich die charakteristische schwarze Sporenschicht (Ruß) bildet.
Gesundheitsgefahren für Menschen
Die Sporen von Cryptostroma corticale stellen auch für Menschen eine Gesundheitsgefahr dar. Bei der Inhalation der Sporen kann es zu einer sogenannten exogen-allergischen Alveolitis (auch als „Ahornrindenkrankheit“ oder „Farmerlunge“ bekannt) kommen. Diese Erkrankung äußert sich durch:
Reizhusten, Fieber, Atemnot, Schüttelfrost. Vor allem Menschen, die beruflich oder in ihrer Freizeit intensiven Kontakt mit befallenen Bäumen haben (z. B. Gärtner, Forstarbeiter), sind gefährdet.
Historische Verbreitung und aktuelle Situation
Bereits 1964 wurde in Deutschland eine Verbindung zwischen einer Lungenkrankheit bei einem Gärtnermeister und befallenen Ahornbäumen hergestellt. Dennoch blieben infizierte Bäume in Deutschland über Jahrzehnte unbemerkt. Erst ab 2005 wurde die Rußrindenkrankheit wieder vermehrt an Ahornbäumen festgestellt. In Österreich wurde der Befall erstmals im Jahr 2003 dokumentiert.
Präventions- und Bekämpfungsmaßnahmen
Um die Ausbreitung des Pilzes einzudämmen, ist es wichtig, stark geschwächte oder bereits befallene Bäume zu fällen und zu entsorgen, wobei Vorsichtsmaßnahmen zu treffen sind, um die Sporenverbreitung zu minimieren. Insbesondere bei Holzarbeiten sollten geeignete Atemschutzmasken getragen werden, um die Gesundheitsgefährdung durch Sporeninhalation zu reduzieren. Ebenso sollten klimatische Stressfaktoren wie Trockenheit durch Bewässerung gemindert werden, um die Abwehrkraft der Bäume zu stärken.
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